EINEWELT – Unsere Verantwortung: Die Zukunftscharta

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Bundesminister Gerd Müller und Dunja Hayali (Foto: GIZ / Frederic Schweizer)
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Bundesminister Gerd Müller und Dunja Hayali (Foto: GIZ / Frederic Schweizer)

Entwicklungspolitik beschäftigt sich mit den Überlebensfragen der Menschheit: von Ernährungssicherung und Gesundheit über den Klimawandel bis hin zur Überwindung von Gewalt und Konflikten. Lösungen für diese globalen Herausforderungen werden wir nur gemeinsam finden – als internationale Staatengemeinschaft, aber auch als Bürgerinnen und Bürger hier in Deutschland. Denn diese EINEWELT ist unsere Verantwortung

Die Zukunftscharta wurde Anfang 2014 von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller initiiert. Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kirchen, Wissenschaft und Politik, sowie Bürgerinnen und Bürger haben 2014 acht Monate lang diskutiert: Wie können wir Zukunftschancen für alle Menschen auf der Welt schaffen? Und welche Verantwortung tragen wir in Deutschland dafür? Die Zukunftscharta EINEWELT – Unsere Verantwortung bündelt das Wissen und die Erfahrungen von hunderten beteiligter Akteure und formuliert Antworten auf drängende Zukunftsfragen.

Kern der Zukunftscharta sind acht Handlungsfelder, die in Vorbereitung auf das Entwicklungsjahr 2015 gemeinsame Schwerpunkte der Beteiligten aufzeigen. Die Zukunftscharta ist ein Referenz-Dokument, das verbindend wirken soll.

Am 24. November 2014 wurde die Zukunftscharta feierlich an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel überreicht. Außerdem hat der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung, in dem alle Ressorts der Bundesregierung vertreten sind, den Charta-Prozess als Leuchtturmprojekt 2014 ausgezeichnet.

Nun geht es darum, die Schwerpunkte der Zukunftscharta umzusetzen und das Thema nachhaltige Entwicklung in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Denn eine zentrale Botschaft der Zukunftscharta lautet: Entwicklung beginnt bei uns in Deutschland. Wie ein roter Faden zieht sich Entwicklungspolitik durch alle Lebensbereiche und Politikfelder. Sie geht uns alle an. Das bedeutet aber auch: Jeder und jede von uns kann einen Beitrag leisten, im Großen wie im Kleinen.

Um diese Beiträge geht es bei der ZukunftsTour EINEWELT – Unsere Verantwortung: Bis Mitte 2016 geht die Zukunftscharta, die im Sommer 2015 gestartet wurde, auf Tour durch Deutschland. Wir wollen diskutieren und darstellen, was die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in den Kommunen und in ihrem Alltag für eine nachhaltigere Welt konkret tun können. Die ZukunftsTour ist Teil der deutschen Vorbereitung auf die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen im September 2015 beschlossen haben.

Das BMZ würde sich freuen, Sie auf einer der ZukunftsTour-Veranstaltungen in den Bundesländern begrüßen zu dürfen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Initiativen für Nachhaltigkeit, engagierte Unternehmen und politische Entscheidungsträger aus Ihrem Bundesland kennenzulernen. Und stellen Sie Ihr eigenes Engagement für eine nachhaltigere Welt vor. Die Termine der ZukunftsTour finden Sie auf der ZukunftsTour-Website.

Dies sind die acht Handlungsfelder der Zukunftscharta:

  1. Ein Leben in Würde weltweit sichern
  2. Natürliche Lebensgrundlagen bewahren und nachhaltig nutzen
  3. Wirtschaftswachstum mit Nachhaltigkeit und menschenwürdiger Beschäftigung verbinden
  4. Menschenrechte und gute Regierungsführung fordern und fördern
  5. Frieden schaffen, menschliche Sicherheit stärken
  6. Kulturelle und religiöse Vielfalt respektieren und schützen
  7. Innovationen, Technologien und Digitalisierung für transformativen Wandel nutzen
  8. Eine neue globale Partnerschaft und Multi-Akteurs Partnerschaften für die Umsetzung entwickeln

Rückblick auf 2015: Ein besonderes Jahr für die Entwicklungszusammenarbeit

2015 war ein entscheidendes Jahr für Entwicklung: Es war das Zieljahr der 2000 verabschiedeten Millenniums-Entwicklungsziele (MDG). Die Nachfolgeziele sind in der Agenda 2030 enthalten, die von der Weltgemeinschaft im September 2015 in New York verabschiedet worden sind. Die Agenda enthält auch die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG), über die Sie hier mehr erfahren können: http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/ziele/ziele/2030_agenda/index.html

 

Für die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung wird eine ausreichende Finanzierung benötigt. Deshalb fand im Juli 2015 in Äthiopien die dritte Finanzierungskonferenz der Vereinten Nationen statt. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier: http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/entwicklungsfinanzierung/index.html

 

Deutschland hatte 2015 die G7-Präsidentschaft inne. Entwicklungspolitik stand dabei weit oben auf der Agenda: So wurde beim G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau im Juni 2015 unter anderem über die Themen Klimaschutz, Ernährungssicherung, Stärkung von Gesundheitssystemen und Schaffung menschenwürdiger Arbeit beraten. Hier finden Sie weitere Informationen zu den entwicklungspolitischen Schwerpunkten des Gipfels:
http://www.bmz.de/g7/de/Entwicklungspolitische_Schwerpunkte/index.html

 

Im Dezember 2015 fand in Paris die Klimakonferenz der Vereinten Nationen statt, dort wurde ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll verabschiedet. Mehr zum Thema Klimaschutz finden Sie hier:
http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/klimaschutz/index.html

Die Zukunftscharta: Der Prozess

Der Text der Zukunftscharta wurde 2014 in einem breiten Dialog erstellt und anschließend der Bundeskanzlerin überreicht. In der nun laufenden zweiten Phase geht es darum, die Zukunftscharta zu nutzen, um mit vielen unterschiedlichen Menschen in ganz Deutschland ins Gespräch über nachhaltige Entwicklung und Entwicklungspolitik zu kommen. Parallel dazu wird an der Umsetzung der acht Handlungsfelder der Charta gearbeitet. Damit ist der Zukunftscharta-Prozess Teil der nationalen Vorbereitung auf die Umsetzung der Agenda 2030 und der darin enthaltenen Ziele für nachhaltige Entwicklung.

 

2014: Entstehung der Zukunftscharta

Der feierliche Startschuss zum Zukunftscharta-Dialogprozess fiel am 1. April 2014 im BMZ in Berlin. Jeder Bürger konnte sich auf der Internetseite www.zukunftscharta.de bis Anfang September in einem offenen Onlinedialog einbringen und Vorschläge für eine gerechtere und nachhaltigere Welt machen. Über das Jahr verteilt fanden viele Veranstaltungen in Deutschland zur Zukunftscharta statt, unter anderem in Bonn, Potsdam, Kiel, Hannover und Nürnberg unter anderem zu den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit: ökologische, ökonomische, soziale und politische/kulturelle Dimension.

Im Sinne der Transparenz begleitet ein Koordinierungskreis den Charta-Prozess. Er besteht aus Vertretern von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, Kirchen und Stiftungen, sowie den Bundesländern und Kommunen.

Eine zentrale Rolle haben auch die fünf Themenpaten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Sie leiteten aus der Vielzahl von Ideen die Handlungsfelder ab und erstellten einen ersten Text der Zukunftscharta. Dieser Entwurf konnte dann online kommentiert werden.

Bei der Erstellung des Textes hatte das BMZ eine koordinierende, unterstützende Funktion. Hier wurden die Kommentare aus den Dialogen gebündelt und für die Sitzungen mit den Themenpaten und dem Koordinierungskreis aufgearbeitet.

Die erste Phase des Zukunftscharta-Prozesses endete mit der feierlichen Übergabe des fertigen Charta-Textes an die Bundeskanzlerin Ende November 2014.

 

Umsetzung und Verbreitung der Zukunftscharta

Die ZukunftsTour EINEWELT – Unsere Verantwortung stellt die Charta im Zeitraum 2015 und 2016 in allen Bundesländern vor. Sie soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch wir in Deutschland für die Agenda 2030 der Vereinten Nationen Verantwortung tragen und uns für nachhaltige Entwicklung einsetzen müssen.
Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit den Bundesländern statt. Auch die Eine Welt-Landesnetzwerke werden einbezogen.

Parallel zur ZukunftsTour wird im BMZ an der Umsetzung der Handlungsfelder und Empfehlungen der Charta gearbeitet. Das Ministerium wird einmal im Jahr Bilanz ziehen.


Rückmeldungen zur Zukunftscharta

Die Zukunftscharta wurde Anfang 2015 an alle für Entwicklungspolitik zuständigen Regierungsmitglieder in der Europäischen Union verschickt. Der offene und breit angelegte Dialog zu nachhaltiger Entwicklung, den Deutschland im eigenen Land begonnen hat, ist auch international auf breites Interesse gestoßen. Unter anderem wird der Prozess im aktuellen Prüfbericht der OECD für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit positiv erwähnt.