Kategorie | ZukunftsTour

Ohne Meer kein Leben - Überfischung als Herausforderung unserer Zeit

Heringsfischerei in Norwegen. Foto: WWF, Wild Wonders of Europe - Magnus Lundgren

Wir fangen heute mehr Fische aus dem Wasser, als das Meer neues Leben hervorbringen kann. Die Folge ist eine Überfischung der Ozeane, die unsere eigene Lebensgrundlage gefährdet. Beim Angelspiel des WWF erfahren Kinder und Jugendliche mehr über die Hintergründe und Ursachen dieser Problematik. Mit cleverem Einkaufsverhalten haben wir als Verbraucher die Möglichkeit, etwas zu tun. Auch hier ist der WWF mit Apps und Einkaufshilfen an der Seite der Verbraucher.

 

Weltweit ist Fisch eine zentrale Quelle für Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Der Reichtum an Nährstoffen macht Fisch, besonders in Entwicklungsländern, nahezu unverzichtbar. Eine konstant wachsende Bevölkerung, der steigende Wohlstand und eine zunehmende Urbanisierung treiben die Nachfrage in die Höhe. Durchschnittlich isst jeder Mensch 20 kg Fisch pro Jahr. Doppelt so viel, wie noch vor 50 Jahren. Dieser drastische Anstieg bleibt nicht folgenlos.

 

In vielen Teilen der Welt wird heute so viel Fisch gefangen, dass die Bestände dort sich nicht mehr ausreichend regenerieren können und damit grundlegend gefährdet sind. In Europa gilt dies für jeden zweiten Fischbestand, hier sanken die Fangerträge im letzten Jahrzehnt um rund ein Drittel.

 

Europa ist momentan daher der größte Importeur von Fisch - Fisch, der in den Ländern, vor deren Küsten er gefangen wird, fehlt. 61 Prozent der weltweit gehandelten Fische und Meeresfrüchte stammen aus Entwicklungsländern.

 

Der Reichtum der Weltmeere schien lange Zeit unerschöpflich – eine Illusion, denn Fisch ist nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Die Überfischung gilt heute als eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Meere und das Überleben seiner Bewohner. Global gelten 31 Prozent der Fischbestände als überfischt, und weitere 58 Prozent sind bis an ihre Kapazitätsgrenzen genutzt.

 

Illegale Fischerei und eine hohe Beifangquote verschärfen diese Situation. Im Meer spielen Fische eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz, nicht nur für andere Fischarten, sondern auch für Meeressäugetiere wie Robben und einige Wale. Die Fischerei entnimmt häufig bestimmte Arten in großen Mengen und verändert dadurch die natürliche Zusammensetzung des Nahrungsnetzes.

 

So ändert sich das Gleichgewicht im Ökosystem, und dies führt zu enormen sozio-ökonomischen Problemen. Besonders kleine, lokale Fischer leiden unter mangelnden Fischbeständen, wohingegen die industrielle Fischerei Fangrouten ändern und Netze vergrößern kann. Über 800 Millionen Menschen sind abhängig von Fang, Produktion, Verarbeitung und Verkauf von Fisch und Meeresfrüchten.

 

Ab 2017 gilt für Nordsee-Fischereien ein Rückwurfverbot. Fischereien müssen ihren gesamten Fang an Land bringen. Der früher auf See praktizierte Rückwurf von beigefangenen Fischen, die zu klein waren oder nicht der Ziel-Art entsprachen, ist nun verboten.

 

Angelspiel beim WWF-Stand auf der ZukunftsTour in Kiel. Foto: WWF Jugend

Wer die immense Ressourcenverschwendung auf See beenden will, muss laut dem WWF dafür sorgen, dass weniger Jungfisch im Netz landet. Die Vermeidung von Beifang müsste das oberste Gebot sein. Der WWF kämpft für die Umstellung auf selektive Fangtechniken und macht sich stark für die Kontrolle der Einhaltung des Rückwurfverbots durch Board-Kameras. 

 

Beim Fischereimanagement liegt der Schlüssel in der Nachhaltigkeit. Fische und Fischer verdienen beide eine langfristige Perspektive, die in so genannten Mehrjahres-Plänen für einzelne Fischbestände umgesetzt werden sollte. Ein gutes Management lässt sich auch durchsetzen, wenn Verbraucher und Händler die Weichen richtig stellen: Wer Fisch aus nachhaltigem Angebot bevorzugt, lenkt den Markt ein Stück weiter hin zur naturverträglichen Fischerei.

 

Wichtig für den Weg zu einer nachhaltigen Fischerei sind wir alle, die Verbraucher. Indem wir fragen, woher der Fisch kommt und uns aktiv für nachhaltig gefangenen Fisch entscheiden, können wir das Angebot verändern und damit am Ende auch die Fischereipolitik. So hat jeder einzelne von uns die Möglichkeit dazu beizutragen, die Plünderung der Ozeane zu stoppen.  

 

Der WWF arbeitet mit Partnern daran, das Angebot an umweltverträglich gefangenen Fischprodukten auf dem Markt zu erhöhen. Dazu gehört auch der Marine Stewardship Council (MSC): Die internationale Organisation vergibt ein Umweltsiegel für wild gefangenen Fisch, das MSC-Siegel.

 

Es signalisiert dem Verbraucher, dass es sich um ein Produkt aus garantiert umweltverträglich bewirtschafteter Fischerei handelt. Eine Erfolgsgeschichte, denn tatsächlich gibt es nirgends auf der Welt mehr Produkte mit dem MSC-Siegel zu kaufen als hier in Deutschland. Damit die Verbraucher bei dem übrigen Fischangebot nicht im Dunkeln tappen, empfiehlt der WWF seinen Einkaufsratgeber Fische & Meeresfrüchte. Dieser zeigt, welche Fischprodukte unbedenklich gegessen werden können und von welchen man derzeit lieber die Finger lassen sollte.

 

„Hering und Sprotte aus der Nordsee kann man mit grünem Gewissen genießen. Der Schollenbestand ist auf einem Rekordhoch, aber es kommt auf die Fangmethode an. Wenn Nordseescholle mit Stellnetzen gefangen wurde, ist auch das eine gute Wahl“, so der WWF. Von Kabeljau raten die Umweltschützer jedoch ab, weil die Bestände noch immer unter starkem Druck stehen und sich nur auf niedrigem Niveau erholen.

 

Zudem setzt das WWF-Projekt „Fish Forward“ dort an, wo man am meisten bewirken kann. Die Aufklärungs- und Informationskampagne will in Europa ein Bewusstsein für nachhaltigen Fisch schaffen und spricht gezielt Handel, Politik und Verbraucher an. Es soll die Möglichkeit und Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit Fisch vermittelt werden. 

 

Ein großer Teil dieser Arbeit ist es ebenso, wissenschaftliche Daten verständlich aufzubereiten und über Lebensumstände von Fischern in Entwicklungsländern zu informieren.

 

Auch bei der ZukunftsTour in Kiel war der WWF mit dabei, um das Bewusstsein für die Überfischung zu erhöhen. Mit im Gepäck war ein Angelspiel für die Besucher, das auch in der Vergangenheit schon beim Stand des BMZ bei der Grünen Woche 2016 mit dabei war. Bei dem interaktiven Spiel angeln die Verbraucher blind Fische (bestehend aus einer Pappkarte mit Metallring) mit einer (Magnet-)Angel. Punkte gibt es dann für den Herkunftsort, die Fangmethode und die Zertifizierung. So kann spielerisch darüber aufgeklärt werden, welchen Fisch man ohne Bedenken im Supermarkt kaufen kann und welchen lieber nicht. Am Ende des Spieles werden alle Fische wieder in die Freiheit entlassen.

 

Info

Der World Wide Fund For Nature (WWF) ist eine der größten und erfahrensten Naturschutzorganisationen der Welt und in mehr als 100 Ländern aktiv. Weltweit unterstützen ihn rund fünf Millionen Förderer. Das globale Netzwerk des WWF unterhält 90 Büros in mehr als 40 Ländern. Rund um den Globus führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuell 1300 Projekte zur Bewahrung der biologischen Vielfalt durch.

Viele nachhaltige Geschenke vom Kalender bis zur Fördermitgliedschaft können beim WWF online bestellt werden.

 

 

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