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VAUDE: „Ökologische und soziale Aspekte gehören in die Unternehmensbilanz“

Foto: VAUDE

Nachdem Dr. Antje von Dewitz 2009 die Geschäftsführung im Familienunternehmen VAUDE übernahm, etablierte sie mit ihrem Team eine konsequent nachhaltige Unternehmensstrategie. Einige Gipfel konnte VAUDE bereits erklimmen, weitere hat das Unternehmen fest im Blick.

 

In den letzten Jahren machte die deutsche Outdoor-Marke VAUDE immer wieder als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit von sich Reden. Das Unternehmen hat mittlerweile zahlreiche Auszeichnungen für seine Art zu Wirtschaften erhalten. 2015 wurde es unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu „Deutschlands nachhaltigster Marke“ gekürt.

 

Das 100-prozentige Familienunternehmen engagierte sich seit jeher für ökologische und soziale Themen, die in Form einzelner Projekte umgesetzt wurden. Seit Dr. Antje von Dewitz 2009 die Geschäftsführung übernahm, verfolgt das Unternehmen eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie, die in allen Unternehmensbereichen gelebt wird. „Angesichts globaler Probleme wie Klimaerwärmung oder Ressourcenverbrauch möchten wir als Unternehmen einen positiven Beitrag leisten. Das ist unser Antrieb“, so von Dewitz.

 

Die Outdoor-Branche befindet sich in puncto Nachhaltigkeit grundsätzlich in einem Zwiespalt: die Produkte müssen langlebig und belastbar sein, wofür sie zum Teil mit bedenklichen Chemikalien behandelt werden; zugleich sind die Käufer in der Regel Naturliebhaber. Wie geht das zusammen? Wer die Liebe zur Natur im Markenimage hat, kann sich deren Zerstörung nicht leisten.

 

Von Dewitz hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Widersprüchlichkeit zu überwinden. Sie möchte zeigen, dass es anders geht – nicht nur bei den Produkten, sondern auch in Bezug auf das gesamte Unternehmen.

 

VAUDE wurde als erstes Outdoor-Unternehmen nach dem von der Europäischen Union entwickelten Eco Management and Audit Scheme (EMAS) öko-zertifiziert. Ein firmeneigenes „GreenShape“-Label wurde entwickelt, mit dem Produkte gekennzeichnet werden, die nach einem eigenen, strengen Bewertungssystem besonders umweltfreundlich und ressourcenschonend hergestellt werden.

 

VAUDE ist Mitglied der Fair Wear Foundation, einer unabhängigen Organisation der Textilindustrie, die weltweit die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern will, sowie Gründungsmitglied in dem von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller initiierten Bündnis für nachhaltige Textilien. Im Juli 2016 veröffentlichte VAUDE sein Greenpeace Detox Commitment zum „Zero Discharge“-Ziel – eine freiwilligen Verpflichtung, bis spätestens 2020 alle schädlichen Substanzen entlang der gesamten Lieferkette zu eliminieren.

 

VAUDE Geschäftsführerin Dr. Antje von Dewitz studierte Wirtschafts- und Kulturraumstudien in Passau und promovierte 2005 am Stiftungslehrstuhl Entrepreneurship der Universität Hohenheim. Foto: VAUDE

„Wir möchten auch für den kleinsten Knopf die Hand ins Feuer legen können. Doch als einzelner Mittelständler ist der Einfluss auf die Lieferanten bzw. die Chemie-Industrie relativ gering, gemeinsam können wir viel mehr bewegen“, erklärt Antje von Dewitz. Daher seien Allianzen wie das Textilbündnis sehr wichtig. Auch mit Partnern wie dem WWF Deutschland oder dem Deutschen Alpenverein setzt sich VAUDE gemeinsam für Umweltthemen ein.

 

Seit 2012 ist der Firmensitz im baden-württembergischen Tettnang mit allen dort produzierten VAUDE-Produkten klimaneutral. Die Hälfte der 500 Mitarbeiter arbeitet in familienfreundlichen Teilzeit-Modellen. Nachhaltigkeit bedeutet für VAUDE, genau hinzugucken und die gesamte Lieferkette ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten.

 

Es bedeutet aber auch, den Wohlstand nicht auf der Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern oder der Zerstörung der Umwelt aufzubauen, so von Dewitz. Globales Denken ist dabei ein Muss, denn nur ein kleiner Teil der Produkte wird in Deutschland herstellt. Der Großteil entsteht im eigenen VAUDE-Werk in Vietnam mit 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie bei Partnerunternehmen in Europa, Taiwan, China und Südkorea.

 

Der Erfolg eines Unternehmens sollte nicht mehr ausschließlich an Umsatz und Gewinn gemessen werden, findet von Dewitz. Ebenso müssten die ökologische und die soziale Bilanz berücksichtigt. werden. VAUDE veröffentlicht daher ganzheitliche Reportings wie den Nachhaltigkeitsbericht nach GRI-Standard (Global Reporting Initiative) und eine Gemeinwohlbilanz durch die Organisation Gemeinwohl Ökonomie, die auch ökologische und soziale Faktoren und damit die gesamte unternehmerische Verantwortung beurteilen.

 

„Grundsätzlich fände ich es wichtig, dass es eine weitergehende Auffassung von Unternehmensverantwortung gäbe, quasi per Verfassung. Laut Bayerischer Verfassung ist es die Aufgabe eines Unternehmens, dem Gemeinwohl zu dienen, die Deutsche Verfassung verweist immerhin darauf, dass Eigentum verpflichtet“, erklärt von Dewitz ihre Sicht auf die Aufgabe eines Unternehmens in der Gesellschaft.

 

Nicht alle Mitarbeiter waren 2009 von ihrem konsequenten Kurs begeistert, doch heute engagieren sich die Mitarbeiter voller persönlicher Überzeugung. „Die meisten Menschen haben im Innern den Wunsch, einen positiven Beitrag zu leisten, die Umwelt zu schützen und sich fair verhalten. Es geht also darum, dieses Bewusstsein im beruflichen Kontext freizusetzen. Außerdem können wir mittlerweile zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur sinnvoll ist, sondern auch ökonomisch erfolgreich“, so von Dewitz.

 

Von der Politik wünscht sich Dr. Antje von Dewitz Unterstützung für das notwendige Umdenken aller Bürger in unserem Land: „Nachhaltig zu wirtschaften ist oft mit einem höheren organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden. Das ist für viele Unternehmen abschreckend. Wenn es z.B. steuerliche oder sonstige finanzielle Anreize für nachhaltige Unternehmen gäbe, würden sicher mehr Betriebe diesen Weg einschlagen.“

 

Info

Seit über 40 Jahren produziert das in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen VAUDE Outdoor-Bekleidung, Schuhe, Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke, Taschen und Zubehör für Bergsteigen, Skitouren, Trekking, Wandern, Radfahren und Mountainbiken. Mehr Informationen finden Sie unter www.vaude.com.

 

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