Themenforum Soziale Dimension von Nachhaltigkeit:
"7.243.784.121 Menschen auf dieser Welt haben ein Recht auf ein Leben in Würde"

1. und 2. Juli, Altes Rathaus in Hannover

7.243.784.121 Menschen auf dieser Welt haben ein Recht auf ein Leben in Würde. Davon sind wir weit entfernt. Es sind fundamentale Veränderungen notwendig, damit die in internationalen Abkommen bereits enthaltenen sozialen Rechte der Einzelnen für alle Menschen tatsächlich gelten. Wie dies konkret geschehen kann, diskutierten rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Zivilgesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft, den Ländern Brasilien, Peru, Bangladesch, Kolumbien und weltweit tätigen Nichtregierungsorganisationen im Alten Rathaus von Hannover.

Thomas Hermann, Bürgermeister von Hannover, betonte das Agenda-21-Engagement Hannovers und unterstrich, dass Nachhaltigkeit durch lokales Handeln getragen werden müsse. Viele Aspekte wurden beleuchtet in der Podiumsdiskussion zum Thema: „Bevor das Fass überläuft - globale Auslöser sozialer Proteste und entwicklungspolitische Lösungsansätze“, die u.a. das Beispiel Brasilien aufnahm. Der brasilianische Videokünstler und Internetaktivist Rafael Puetter (alias „Rafucko“), ein Teilnehmer zahlreicher Protestdemonstrationen, berichtete über die Widersprüchlichkeiten seines Landes, dessen sozialer Friede noch immer brüchig sei.

Renate Bähr/DSW (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)
Renate Bähr/DSW (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)
Cornelia Rundt/Minsterin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Niedersachsen (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)
Cornelia Rundt/Minsterin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Niedersachsen (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)

Gunther Beger, Leiter der BMZ-Abteilung „Globale Zukunftsaufgaben – Sektoren“, machte deutlich, dass friedliche Proteste etwas Positives seien und notwendige Veränderungen anstoßen können. Gerade Proteste zeigen, dass elementare Menschenrechte wie Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit respektiert werden. Die Vertreterin von Brot für die Welt, Dr. Sonja Weinreich, erinnerte daran, dass gerade Menschen, die unterhalb der Armutsschwelle leben, häufig nicht in der Lage seien, sich in Protesten zu organisieren - hier sei „Empowerment“ gefragt.

Für Peru konnte die Vizeministerin für Entwicklung und soziale Inklusion, Norma Vidal, „Best practices“ aufzeigen, mit denen bereits signifikante Erfolge in der Armutsminderung erreicht wurden. Aus Industriesicht hob Prof. Dr. Gerhard Prätorius, Leiter für Corporate Social Responsibility der Volkswagen AG, hervor, dass es im aufgeklärten Eigeninteresse von Unternehmen sei, sich bei lokalen Entwicklungsthemen zu engagieren.

 

Paneldiskussion (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)
Paneldiskussion (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)

Die Diskussion in insgesamt 11 Workshops des Themenforums zeigte: Wirkliche Teilhabe umfasst viele Felder: Soziale Sicherung, Gesundheit, Zugang zu qualifizierter Bildung, Ernährung und Wasser, Einhaltung von Menschenrechten, Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Gender und Inklusion. Gleichzeitig wurde die Frage aufgeworfen, was uns an einem nachhaltigeren Lebensstil hindert. Warum ist die weltweite Armut, die dramatische Fluchtbewegungen zur Folge hat, so deutlich erkennbar, während Reichtum weitgehend unsichtbar bleibt? Was kann getan werden, um Korruption stärker und effektiver anzugehen?

Cornelia Rundt, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Niedersachsen, zeigte auch Defizite der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit in Deutschland auf, Prof. Dr. Thomas Büttner, Mitglied im Stiftungsrat des Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, rief die Politik auf, angesichts der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung bis 2100, frühzeitig, also schon heute zu handeln, denn: „Die Zukunft ist jetzt!“

 

Präsentation (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)
Präsentation (Quelle: GIZ / Rainer Dröse)

Hieran anknüpfend betonten Vertreter von World We Want, Sophie Charlotte Lemmer und Ozan Solmus, die Bereitschaft junger Erwachsener, sich aktiv in Diskussionsprozesse um die Zukunft einzubringen

Zum Abschluss der Konferenz erklärte Themenpatin Renate Bähr, Geschäftsführerin Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), dass die Zukunftscharta zunächst verbinden solle und ihre Verbindlichkeit durch Engagement und gute Ideen noch zu entwickeln sei. Der Dialog hat begonnen, alle Bürgerinnen und Bürger haben weiterhin die Möglichkeit dazu.

Themenpatin - Soziale Dimension von Nachhaltigkeit

Renate Bähr
Geschäftsführerin, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

Renate Bähr

Im 2008 übernahm Renate Bähr die Geschäftsführung der Stiftung Weltbevölkerung. Sie ist Expertin für Fragen der globalen Bevölkerungsentwicklung und setzt sich seit zwei Jahrzehnten für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte ein.

Als Mitglied der deutschen Regierungsdelegation nahm sie an bedeutenden internationalen Konferenzen, unter anderem der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994, teil. Im Jahre 2003 hatte sie eine Schlüsselrolle in der Etablierung des Parlamentarischen Beirats der DSW. Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde sie 2012 zum Mitglied der High Level Task Force for ICPD ernannt.

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