Themenforum Ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit:
Nachhaltiges Wachstum – Mythos oder Möglichkeit? – Expertendialog in Kiel diskutiert über die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit

17. und 18. Juni, Institut für Weltwirtschaft in Kiel

Wie sehr brauchen wir wirtschaftliches Wachstum? Schließen sich Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit aus? Kann Armut in Entwicklungsländern ohne Wachstum überhaupt nachhaltig reduziert werden?

Diese Fragen wurden im Rahmen des ersten Themenforums zur ökonomischen Dimension von Nachhaltigkeit in Kiel am 17. und 18. Juni engagiert diskutiert. Insgesamt 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft folgten der Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und kamen am Institut für Weltwirtschaft (IfW) zusammen, um auf der Grundlage vorangegangener Diskussionen konkrete Handlungsempfehlungen für die Zukunftscharta zu erarbeiten.

 

Eröffnet wurde das Themenforum mit einer Abendveranstaltung zum Thema „Wachstum neu gestalten – für Breitenwirksamkeit und Nachhaltigkeit weltweit“. Gerade der Online-Dialog hatte vorab viele kritische Anregungen zum Wachstumsbegriff gegeben. Auch Professor Dennis Snower, Präsident des IfW, mahnte in seiner Begrüßungsrede an, dass der Markt für eine nachhaltige Entwicklung zwar unabdingbar sei, er dazu aber strikten Regeln unterworfen sein müsse. Guido Schmidt-Traub, Executive Director des UN Sustainable Development Solutions Network (SDSN), sprach über die Rolle von nachhaltigem Wachstum in der Post-2015-Agenda. Er machte anhand der Folgen des Klimawandels deutlich, wie sehr das bisherige Wachstumsverständnis insbesondere in den Industrieländern dazu geführt habe, die planetaren Grenzen des Wachstums zu überschreiten und damit Schaden anzurichten.

Quelle: GIZ / Christina Kloodt
Quelle: GIZ / Christina Kloodt

Über die Gestaltung nachhaltiger wirtschaftlicher Wachstumsprozesse diskutierten Professor Christian Berg, Mitglied im Präsidium des Club of Rome und bei SAP zuständig für Nachhaltigkeitsfragen, Dr. Anselm Görres, Vorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft und Susanne Dorasil, Leiterin des BMZ-Referats „Nachhaltige Wirtschaftspolitik; Finanzsektor“.  Als „Zwischenrufer“ brachte sich zudem Dr. André Reichel vom European Center for Sustainability Research (ECS) in Friedrichshafen in die Debatte ein. Unter anderem wurde hier kritisch diskutiert, in welchem Kontext Wachstum in welchem Maße notwendig sei, wie stark Märkte reguliert werden müssen bzw. können, wie Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wachstum in Entwicklungs- und Schwellenländer gefördert und wie Investoren in diesen Märkten auf Nachhaltigkeitskriterien und nicht nur Marktfaktoren reagieren können.

 

Quelle: GIZ / Christina Kloodt
Quelle: GIZ / Christina Kloodt

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Fachdialogs. Er wurde von BMZ Unterabteilungsleiterin Dr. Tania Rödiger-Vorwerk und dem Themenpaten für die ökonomische Dimension im Zukunftschartaprozess, Prof. Dr. Joachim von Braun, eröffnet. In insgesamt neun Arbeitsgruppen konnten Teilnehmer/innen ihre fachliche Expertise und Ideen einbringen. Die Arbeitsgruppen orientierten sich an Themen, die im bisherigen Dialogprozess verstärkt aufgetreten waren, darunter nachhaltige Produktion und Beschäftigung, Innovationen als Schlüssel für nachhaltiges Wachstum und ländliche Entwicklung, Investitionen, Migration, Berufliche Bildung, Menschenrechte, Gesundheitsversorgung, Digitalisierung und Handel und Globalisierung.

Nach einer engagierten Diskussion in den Arbeitsgruppen wurde das Themenforum mit kurzen Erfahrungsberichten zu ausgesuchten, innovativen Partnerschaften in Costa Rica und Deutschland abgeschlossen.

Quelle: GIZ / Christina Kloodt
Quelle: GIZ / Christina Kloodt

Die Ergebnisse der Themenforen werden in die Zukunftscharta einfließen. Bis zum 9.September können Sie auch online noch weitere Anregungen und Vorschläge für die Zukunftscharta formulieren! Eine ausführlichere Dokumentation der Ergebnisse des Themenforums, sowie filmische Impressionen der Veranstaltungen finden Sie in Kürze hier. Die Präsentation des Themenpaten Prof. Joachim von Braun finden Sie hier.

Themenpate - Ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit

Prof. Joachim von Braun
Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn

Joachim von Braun

Ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum werden weder die erforderlichen sozialen Verbesserungen noch die ökologischen Absicherungen in den Ländern mit niedrigem Einkommen möglich. Post 2015 sollten wir globale Nachhaltigkeitsziele haben, die auch für uns selbst in Deutschland gelten, nicht nur für die sogenannten Entwicklungsländer.

Prof. Dr. Dr. hc Joachim von Braun ist Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn und Professor für wirtschaftlichen und technologischen Wandel. Von 2002 bis 2009 war Joachim von Braun Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington DC. Er ist Vorsitzender des Bioökonomierates der Bundesregierung, Vize-Präsident der “Welthungerhilfe”, Fellow der American Association for the Advancement of Sciences, Mitglied der ACATECH Akademie, und der Akademie NRW, sowie der Pontifical Academy of Sciences des Vatican. Er wirkte mit als Sprecher bei Welternährungsgipfeln, sowie dem „World Economic Forum” in Davos und ist Ratgeber verschiedener Forschungseinrichtungen und internationaler Organisationen zu Fragen der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung.

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