Themenforum 5 Nachberichterstattung -
Themenforum „Globale Partnerschaften“ schließt die Expertenrunden zur Zukunftscharta ab

2. und 3. September, Deutsche Welle in Bonn

Am 2. und 3. September fand das fünfte und abschließende Themenforum der Zukunftscharta des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) statt. Thema waren „Globale Partnerschaften“, es diskutierten über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Deutschen Welle in Bonn.

Der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch begrüßte die Gäste und zeigte sich erfreut, dass das letzte Themenforum in der Entwicklungsstadt Bonn stattfindet.  BMZ-Unterabteilungsleiter Dr. Bernhard Felmberg führte im Anschluss in das Thema „Globale Partnerschaften“ ein und stellte die Überzeugung des Ministeriums vor, „dass das Potential von partnerschaftlichen Ansätzen bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist, sondern dass es sich hier um eine Idee mit Zukunft handelt“.

 

Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister von Bonn (Quelle: Jörn Wolter)

 

Marie-Ange Saraka-Yao von der Impfpartnerschaft „GAVI-Alliance“ stellte zunächst die Impfpartnerschaft selbst vor und betonte, dass ihr Erfolg auf einem inklusiven Ansatz, also der Kooperation mit allen relevanten Akteuren im medizinischen Bereich beruhe. Die zentrale Rolle von nationalen Mitarbeitern und damit der Blick auf die tatsächlichen Bedarfe vor Ort trügen zudem zum Erfolg von GAVI bei.

 

Dr. Marianne Beisheim von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die im Zukunftscharta-Prozess auch die Themenpartnerschaft für die „Globalen Partnerschaften“ übernommen hat, mahnte die seriöse Überprüfung bisheriger Partnerschaften für die Ausgestaltung zukünftiger Partnerschaften an. Gerade die Analyse von Dissens und Konflikten böte konstruktive Ansatzpunkte.

 

Dr. Ingolf Dietrich, Leiter der „Sondereinheit Nachhaltige Entwicklung des BMZ“, betonte die Notwendigkeit von Wirksamkeit und Überprüfung. Nur mit aussagekräftigen Indikatoren und einem funktionierenden Monitoring seien Partnerschaften mehr als „zahnlose Tiger“.
Jens Martens vom Global Policy Forum warnte vor einer „Partnerschaftseuphorie“. Obwohl zahlreiche Partnerschaften gute Ergebnisse hervorgebracht hätten, berge deren Proliferation die Gefahr, dass strukturelle Probleme nicht adressiert würden.

Das Podium am ersten Konferenztag (Quelle: Jörn Wolter)
Das Podium am ersten Konferenztag (Quelle: Jörn Wolter)

Tiger vs. Bettvorleger: Wie viel Schein und wie viel Sein steckt in globalen Partnerschaften?

Am zweiten Konferenztag führte Themenpatin Beisheim tiefer ein in das Thema Globale Partnerschaften und den aktuellen Stand der Debatte über die Sustainable Development Goals (SDGs) zu den Globalen Partnerschaften. Auch hier spielten die Themen Überprüfung, das Nachhalten von Ergebnissen und die Lernprozesse, die daraus entstehen (können), eine wichtige Rolle.

Dr. Burkhard Gnärig vom International Civil Society Centre (ICSC) stellte im Anschluss eine Studie zu Globalen Partnerschaften vor. Ernüchterndes Ergebnis der Studie war, dass etwa ein Drittel aller untersuchten globalen Partnerschaften nach ihrer Gründung keinerlei Aktivität mehr zeigten und nur etwa jede vierte Partnerschaft das leistete, wozu sie auch ins Leben gerufen worden war.

Die Studie war anschließend auch Thema einer Podiumsdiskussion. Hier stellte Heike Spielmanns, Geschäftsführerin von VENRO, die Frage, warum mit den globalen Partnerschaften offenbar ein Ansatz gefördert werde, der relativ erfolglos sei.

Dr. Jürgen Janssen vom Deutschen Global Compact Netzwerk berichtete aus der täglichen Arbeit in einer Partnerschaft – dabei gelte es vor allem, Interessen auszutarieren.
Die anschließende Diskussion war kritisch, aber konstruktiv, und es wurden viele interessante Fragen aufgeworfen: Wie nützlich oder sogar gefährlich sind Multi-Stakeholder-Partnerschaften? Wie geht man mit Gruppen, Ländern, Institutionen um, die sich bewusst gegen eine Partnerschaft entscheiden? Ist es schädlich, wenn Partnerschaften nicht immer nur Win-win-Situationen sind?

Diese und viele andere Fragen waren Bestandteil der Workshops. In neun verschiedenen Workshops wurden Partnerschaftsbeispiele vorgestellt, die ein breites Spektrum an Themen betrafen, unter anderem Partnerschaften mit Unternehmen oder kirchlichen Organisationen sowie Partnerschaften im Bereich der Landwirtschaft, im Katastrophenschutz, zur Frauenförderungen sowie Städtepartnerschaften.

In den anschließenden Diskussionen wurden kritische Fragen aufgeworfen, die das Design von Partnerschaften, ihre Ressourcen, Erfolgsindikatoren und deren Überprüfbarkeit betrafen und so letztlich Impulse zur Weiterentwicklung der Partnerschaften lieferten.

Die Ergebnisse der Themenforen werden in die Zukunftscharta mit aufgenommen und am 24. November 2014 in Berlin vorgestellt und an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht.

Themenpatin - Globale Partnerschaften

Dr. Marianne Beisheim
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Forschungsgruppe Globale Fragen

Dr. Marianne Beisheim

Mittels des Prozesses zur Zukunftscharta können wir Impulse geben, wie sich Deutschland im Rahmen der Globalen Partnerschaft konkret in die Post-2015 Verhandlungen einbringen sollte und unter welchen Voraussetzungen die Agenda und Ziele nachhaltiger Entwicklung dann unter anderem über nationale Partnerschaften umgesetzt werden können.

Marianne Beisheim arbeitet seit 2010 als Politikwissenschaftlerin in der Forschungsgruppe "Globale Fragen" der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin. Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeiten ist das Thema Global Governance im Kontext der globalen Nachhaltigkeitsagenda. Besonders interessiert sie sich für das Zusammenspiel der Arbeit internationaler Institutionen, zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Akteure. Aktuell arbeitet sie vor allem zum Follow-up der Rio+20 Konferenz, konkret zu den Verhandlungen der Sustainable Development Goals (SDGs) und zum neuen Hochrangigen Politischen Forum zu Nachhaltiger Entwicklung bei den Vereinten Nationen.

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