Die Themenpaten -
Impulse geben, Brücken schlagen

Mit dem Startschuss zur Zukunftscharta freuen wir uns, Ihnen die fünf Themenpaten vorzustellen, die als Expert/innen für Ihr Thema in Deutschland und über Deutschland hinaus bekannt sind und die durch ihre umfangreiche Forschung und Praxiserfahrung eine hohe Glaubwürdigkeit genießen.

Über die nächsten Monate werden die Themenpaten als unabhängige Anwälte für Ihre Themen auftreten und die notwendige fachliche Tiefe im Prozess sicherstellen. Sie haben die Aufgabe, Impulse in die Diskussion zu geben, Anregungen der Fachöffentlichkeit aufzunehmen, die wichtigsten Diskussionsstränge aus dem Online-Dialog zusammenzufassen und in den Themenforen einzubringen.

Dr. Imme Scholz
Stellvertretende Direktorin, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Dr. Imme Scholz

Nachhaltige Entwicklung erfordert heute eine Agenda, die globale und nationale Ziele und Politiken explizit miteinander verschränkt und der globalen Kooperation einen deutlichen Schub gibt.

Imme Scholz beschäftigt sich seit 20 Jahren mit internationaler Umwelt- und Klimapolitik und dem Thema Nachhaltigkeit. Am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), wo sie seit 1992 in unterschiedlichen Funktionen gearbeitet hat, hat sie maßgeblich das Forschungsfeld Umwelt und Entwicklung mit aufgebaut. Nach ihrem Studium der Soziologie, Politikwissenschaft und evangelischen Theologie promovierte sie zwischen 1997 und 1999 zur ökologischen Innovationskapazität der Tropenholzindustrie an der Freien Universität Berlin, wofür sie umfangreiche Feldforschungen im brasilianischen Amazonasgebiet unternahm. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse brachte sie im Anschluss als Politikberaterin bei der GTZ ein, wo sie zwischen 1999 und 2002 das brasilianische Umweltministerium im besseren Schutz der Tropenwälder beriet.

Seit 2002 leitet Imme Scholz am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) die Abteilung (Globale) Umwelt- und Klimapolitik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit Fragen der Klimagerechtigkeit und den lokalen und globalen Dimensionen von Nachhaltigkeit. Im Juni 2013 wurde sie von Bundeskanzlerin Merkel in den Rat für Nachhaltige Entwicklung berufen, wo sie insbesondere für die Interessen und Belange von Entwicklungsländern sensibilisieren möchte.

Imme Scholz wird über die nächsten Monate als Themenpatin die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit im Dialogprozess vertreten. Sie wird Ihre Anregungen und Fragen aufgreifen und selber immer wieder Impulse in die Diskussion geben.

Renate Bähr
Geschäftsführerin, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)

Renate Bähr

Im 2008 übernahm Renate Bähr die Geschäftsführung der Stiftung Weltbevölkerung. Sie ist Expertin für Fragen der globalen Bevölkerungsentwicklung und setzt sich seit zwei Jahrzehnten für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte ein.

Als Mitglied der deutschen Regierungsdelegation nahm sie an bedeutenden internationalen Konferenzen, unter anderem der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994, teil. Im Jahre 2003 hatte sie eine Schlüsselrolle in der Etablierung des Parlamentarischen Beirats der DSW. Auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde sie 2012 zum Mitglied der High Level Task Force for ICPD ernannt. Renate Bähr vertritt die Stiftung in zahlreichen Gremien, u.a. als Sprecherin des Forums Globale Fragen und Entwicklung im Bundesverband Deutscher Stiftungen sowie als stellvertretende Vorstandsvorsitzende von VENRO.

Aktuell besteht die große Chance, international die Weichen zu stellen, um die weltweite Armut endgültig zu beseitigen. Eine progressive und ambitionierte Zukunftscharta kann hierfür entscheidende Impulse geben. Dafür muss sie verlässliche, für Alle zugängliche  Gesundheits- und Bildungssysteme und -dienstleistungen in den Fokus nehmen. Meine tägliche Arbeit zeigt mir, dass soziale Nachhaltigkeit nur im Zusammenspiel mit der ökonomischen und ökologischen Dimension erreicht werden kann.

Renate Bähr studierte Mathematik und Politikwissenschaft an der Universität Hannover. Nach mehreren Lehrpositionen und Weiterbildungen für Kommunikation und Public Relations arbeitet sie seit 1995  bei der Stiftung Weltbevölkerung.

Prof. Joachim von Braun
Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn

Joachim von Braun

Ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum werden weder die erforderlichen sozialen Verbesserungen noch die ökologischen Absicherungen in den Ländern mit niedrigem Einkommen möglich. Post 2015 sollten wir globale Nachhaltigkeitsziele haben, die auch für uns selbst in Deutschland gelten, nicht nur für die sogenannten Entwicklungsländer.

Prof. Dr. Dr. hc Joachim von Braun ist Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn und Professor für wirtschaftlichen und technologischen Wandel. Von 2002 bis 2009 war Joachim von Braun Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington DC. Er ist Vorsitzender des Bioökonomirates der Bundesregierung; Vize-Präsident der “Welthungerhilfe”, Fellow der American Association for the Advancement of Sciences, Mitglied der ACATECH Akademie, und der Akademie NRW, sowie der Pontifical Academy of Sciences des Vatican; Er wirkte mit als Sprecher bei Welternährungsgipfeln, sowie dem „World Economic Forum” in Davos und ist Ratgeber verschiedener Forschungseinrichtungen und internationaler Organisationen zu Fragen der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung. Seine wissenschaftlichen Publikationen konzentrieren sich auf Fragen der Agrarwirtschaft, Handel, Ernährung, Armut, Ressourcenökonomik sowie Forschungs- und Technologiepolitik.

Integration über entwicklungspolitische Themen in Forschung und Praxis kann tatsächlich rasch Wirkung zeigen, insbesondere in der Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit, Landwirtschaft und Wasser, Energie. Die Chancen der Bioökonomie liegen in solcher integrierter Herangehensweise, mit der ich mich derzeit viel beschäftige.

Joachim von Braun wird über die nächsten Monate als Themenpate die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit im Dialogprozess vertreten.

Gute Tradition gebietet: Einen Antrag auf Patenschaft darf man nicht ablehnen… Ich bin gespannt auf die Entwicklung dieser BMZ-Initiative. Nachhaltiges Wachstum und Entwicklung erfordern langen Atem, Rechtssicherheit, Partizipation, Anpassung der Investitionen an lokale Umstände, und vieles mehr; Keine Patentrezepte.

Michael Windfuhr
Stellvertretender Direktor, Deutsches Institut für Menschenrechte

Michael Windfuhr

Michael Windfuhr, Jahrgang 1961, studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Germanistik, Geographie und Philosophie. Fast 20 Jahre lang hat er die internationale Menschenrechtsorganisation FIAN (Food First Information and Action Network) mit aufgebaut und mit geleitet. Dort war er zuerst für die Fallrecherchen in Lateinamerika zuständig, dann zehn Jahre Vertreter von FIAN bei den Vereinten Nationen und anschließend Generalsekretär. In dieser Zeit beteiligte er sich maßgeblich an den Standard setzenden Prozessen für das Recht auf angemessene Nahrung, wie der Entwicklung der freiwilligen Leitlinien zur Umsetzung des Rechts auf Nahrung, die im November 2004 von der Welternährungsorganisation (FAO) einstimmig angenommen wurden.

Ab 2006 leitete Michael Windfuhr beim Diakonischen Werk der EKD das Menschenrechtsreferat. Zum Diakonischen Werk gehört auch die internationale Arbeit von Brot für die Welt. In dieser Zeit hat er im Bereich der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte besonders zum Recht auf Wasser und Sanitärversorgung, zum Recht auf soziale Sicherheit und zu dem Zusammenhang von Armut und Menschenrechten gearbeitet. Im Bereich der bürgerlichen und politischen Menschenrechte setzte er sich besonders für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern und die Absicherung politischer Spielräume für die Zivilgesellschaft ein. Darüber hinaus war er über viele Jahre Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaften der Universität Heidelberg. Seit dem 1. Januar 2011 ist Windfuhr stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte.

Dr. Marianne Beisheim
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Forschungsgruppe Globale Fragen

Dr. Marianne Beisheim

Mittels des Prozesses zur Zukunftscharta können wir Impulse geben, wie sich Deutschland im Rahmen der Globalen Partnerschaft konkret in die Post-2015 Verhandlungen einbringen sollte und unter welchen Voraussetzungen die Agenda und Ziele nachhaltiger Entwicklung dann unter anderem über nationale Partnerschaften umgesetzt werden können.

Marianne Beisheim arbeitet seit 2010 als Politikwissenschaftlerin in der Forschungsgruppe "Globale Fragen" der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin. Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeiten ist das Thema Global Governance im Kontext der globalen Nachhaltigkeitsagenda. Besonders interessiert sie sich für das Zusammenspiel der Arbeit internationaler Institutionen, zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Akteure. Aktuell arbeitet sie vor allem zum Follow-up der Rio+20 Konferenz, konkret zu den Verhandlungen der Sustainable Development Goals (SDGs) und zum neuen Hochrangigen Politischen Forum zu Nachhaltiger Entwicklung bei den Vereinten Nationen. Seit 2006 leitet sie das DFG-geförderte Teilprojekt "Erfolgsbedingungen transnationaler Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung" im Sonderforschungsbereich 700 "Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit". 2000-2005 arbeitete sie als wissenschaftliche Referentin im Deutschen Bundestag, 2003 bis 2010 als wissenschaftliche Hochschulassistentin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin.

Spätestens seit dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg beschäftigt uns, wie wir die vereinbarten Ziele und Aktionsprogramme zu nachhaltiger Entwicklung national und lokal bestmöglich umsetzen. Seit über 10 Jahren arbeiten wir dazu auch mit inter-/nationalen Partnerschaften; die Erfahrungen sind gemischt. Auch die Umsetzung des achten Millenniumsentwicklungsziels zum Aufbau einer globalen Partnerschaft (MDG8) ist unbefriedigend. Aktuell verhandeln die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Post-2015 Agenda und Ziele nachhaltiger Entwicklung – es ist also an der Zeit Bilanz zu ziehen und auf dieser Basis den deutschen Beitrag zu diskutieren, sowohl die notwendigen Rahmenbedingungen für die Umsetzung im Allgemeinen als auch für eine neue Generation von Partnerschaften.

Marianne Beisheim wird über die nächsten Monate als Themenpatin das Thema Globale Partnerschaften im Dialogprozess vertreten. Dies empfindet sie als große Herausforderung, denn gerade zu diesem Thema stellt sie eine große Vielfalt an Deutungen fest, sowohl an großen Erwartungen als auch an kritischen Befürchtungen, an – sich teils widersprechenden – Forderungen und entsprechenden Konfliktlinien, gleichzeitig aber auch an Potential, diese zu überwinden. Das gilt sowohl für die konkrete Ausgestaltung der „Globalen Partnerschaft“ in der Nachfolge von MDG8 und im Sinne des Berichts des Hochrangigen Panels zur Post-2015 Agenda als auch für die nationalen Partnerschaften zur Umsetzung nachhaltiger Entwicklung. Mit Blick auf beides möchte sie dazu beitragen, Ihre Erfahrungen und Vorschläge für den zukünftigen Umgang mit dem Thema Globale Partnerschaften einzusammeln und Konsens sowie Dissens auszuloten.